Karaoke

13 04 2008

In Shanghai gibt es sehr viele Karaoke Bars, wie scheinbar in großen Teilen Asiens. Die Qual der Wahl hat uns letztendlich in die Partyworld geführt. Das ist eine Kette, die in der Stadt drei Filialen hat. Ich weiss nicht, ob Asiaten im Durchschnitt besser singen können, aber dieses Mal war es auf jeden Fall so. Die zwei koreanischen Mädels und der koreanische Junge haben alle tolle Stimmen und sie konnten sowohl Schnulzen als auch witzige Lieder singen. Die Chinesen waren auch ziemlich gut. Leider konnten wir von Deutschland nicht den Eindruck einer großen Gesangsnation hinterlassen. Sehr passend finde ich den englischen Ausdruck: „It was not a contest … certainly not a close one.“

Unser Karaokeraum – Links war ein Bildschirm auf dem man die Liederliste editieren konnte. Es gab insbesondere chinesische und englische Lieder. Deutsch gab es leider nicht. Die Bedienung musste man per Knopfdruck heranrufen. Der Raum (ohne Getränke und Essen) hat pro Person 8 € gekostet, für mehr als vier Stunden. Länger musste aber wirklich nicht sein.

Die pompöse ‚Lobby‘ von Partyworld ähnelte eher einem Hotel.

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星期日早上 – Sonntagmorgen

9 04 2008

Von Samstag auf Sonntag haben wir eine gemütliche koreanisch-chinesisch-deutsche Nacht in Nicks Wohnheimzimmer verbracht. Auf dem Weg nach Hause am Sonntagmorgen gab es einige interessante Dinge zu sehen. Der Heping Park bei uns in der Nähe war voll mit Leuten, die Karten, chinesisches Schach oder Musik gespielt haben oder einfach nur spazieren waren. Eine Menge an mittelalten Menschen haben sich auf einem Platz in Taichi geübt. Außerdem war der Park voll mit Käfigen der gleichen Art an Singvögeln. Die ‚Herrchen‘ hängen die Käfige ihrer Lieblinge für eine Weile in die Bäume, um sie dann später wieder mitzunehmen. Da die Käfige und die Vögel alle mehr als ähnlich aussehen, kommt es sicher nicht selten zu Verwechselungen.

Die Käfige der Singvögel sind ziemlich klein. (Dieses, wie auch das nächste (und einige andere nicht näher bezeichnete) Foto(s im Blog) sind wieder einmal von Dominik. Um zu sehen welche Fotos alle von ihm sind, könnt Ihr einfach auf den Flickr-Link der Bilder klicken.)

Die Straßen nach dem Park waren, wie der Park selbst, sehr geschäftig und haben uns zu einem Hinterhofmarkt geführt. Es gab dort sehr viele Fleisch-, Fisch-, Meeresfruchtsorten und auch viele lebendige Tiere zu kaufen. Wie so oft, gab es auch hier nahezu keine Kühlung der Produkte und der Anblick und die Gerüche waren ziemlich gewöhnungsbedürftig. Dennoch, finde ich solche Märkte immer sehr faszinierend. Es verwundert jedoch kaum, dass auf diese Weise neue, ausgefallene Krankheiten entstehen. Sehr angenehm ist, dass hier einem niemand „Watch, Bag, DVD?!“ verkaufen will. Das ist der Vorteil von unserem Stadtteil und von all den Orten wo man nicht unbedingt mit Touristen rechnet und wo sich demnach auch keine „Touristenjäger“ aufhalten.
Recht hygienischer Marktstand mit Pilzen, Wurzeln u.a.





Koreaner und Japaner

4 04 2008

Endlich hab ich mal wieder Zeit etwas zu schreiben. Unsere Chinesischkenntnisse machen kleine Fortschritte! Unsere Kommilitonen aus Korea und Japan sprechen kaum oder nur sehr wenig Englisch, so dass wir uns mit ihnen tatsächlich besser in Chinesisch als in Englisch verständigen können. In gewisser Weise ist es angenehmer zu versuchen mit ihnen Chinesisch zu sprechen als mit den Chinesen selbst, da diese in etwa den gleichen Wortschatz haben wie wir. Die Koreaner und Japaner sind schon irgendwie faszinierend. Eine Koreanerin haben wir Kichererbse getauft. Es ist kaum vorzustellen wieviel Zeit es gekostet hat ihr diesen Begriff zu erklären. Mit Hilfe des Internets haben wir das dann aber doch geschafft. Unser gemeinsames Chinesisch reichte dafür noch längst nicht aus. Unsere Chinesischlehrer jagen uns derweil mit unmenschlicher Geschwindigkeit durch die Bücher. Wir lernen pro Woche mindestens 90 neue Zeichen. Jedenfalls sollen wir … Momentan ist es wegen dem Unialltag etwas schwieriger aus Hongkou, „meinem“ Stadtteil, herauszukommen. Aber Gottseidank ist jetzt ersteinmal wieder Wochenende. Eine Statue von Mao findet man auf jedem Universitätsgelände. Diese hier soll einmalig sein, da sie die rechte Hand ausstreckt und nicht umkippt. Das haben die anderen Universitäten wohl nicht geschafft. Rechts sieht man natürlich die chinesische Flagge.

In meinem zweiten Eintrag habe ich geschrieben, dass ich nicht nur die Glamourseite von Shanghai bzw. China zeigen will. Ich hab aber festgestellt, dass es schwierig für mich ist, von den einfachen Vierteln und den Menschen dort Bilder zu machen. Ich möchte nicht, dass das auf die Leute dort wie eine Art Elendstourismus wirkt. Naja, ein paar Bilder krieg ich wohl noch hin.

Die Straßen haben mindestens genau so viel Charme wie sie schmutzig sind. Fraglich, wie lange es sie noch geben wird. In Shanghai gibt es davon nicht mehr viele. Fernab der aufstrebenden Städte leben jedoch die meisten Menschen unter ähnlichen Umständen.





Frohe Ostern!

23 03 2008

Bereits fünf Tage nachdem ich das Fahrrad gekauft habe, wurde es fast geklaut. Der Blechmantel des Fahrradschlosses wurde zerschnitten. Das Stahlseil unter dem Blech hat den Dieb oder die Diebe jedoch aufgehalten. Aber es gibt auch eine „gute“ Nachricht: Das Rad hat bereits ein paar kleine Roststellen, so dass das Fahrrad wohl in einigen Wochen nicht mehr neu und diebstahlwürdig ausschauen wird. Witzig, dass meine Befürchtungen, die ich im letzten Eintrag zum Ausdruck gebracht habe, teilweise bereits innerhalb einer Woche eingetreten sind. Jetzt kommen ein paar Fotos:

Der hier vorne in Starbucks bin übrigens ich. Leider ist der Kaffee hier genauso teuer wie in Deutschland.

Verblüffende Ähnlichkeit mit einer großen deutschen Sportbekleidungsmarke …

Der schöne Ausblick von unserem Wohnzimmer.

Wieder ein Starbucks. Die sind in Shanghai überall, auch im von Touristen überfüllten Yu Garten.





Fahrräder und Essen

15 03 2008

So, endlich habe ich meine Aufenthaltserlaubnis und den Studentenausweis. Ich bin froh, dass ich in dieser Hinsicht erst einmal Ruhe habe. Das war alles schon mehr als aufwändig.

Dominik (der bereits erwähnte Komilitone) und ich haben uns am Mittwoch Fahrräder gekauft. Für jeweils ein neues (!) haben wir umgerechnet etwa 30 € bezahlt. In Deutschland gibt es solche Räder nicht, weder vom geringen Preis, noch von der schlechten Qualität her. Die Reifen verbiegen leicht, es gibt keine Gangschaltung und sie setzen schnell Rost an. Dafür sehen sie wenigstens modern aus. Ich bin gespannt wie lange mein Rad funktioniert oder ob es bevor es kaputt geht gestohlen wird. Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier einmal Fahrradfahren würde. Fahrräder und insbesondere die elektrische Variante sind hier sehr beliebt. Es ist sehr angenehm hier Rad zu fahren. Wir benötigen zur Uni nur etwa 15 Minuten und auf den Straßen gibt es breite Straßenstreifen die uns von den wahnsinnigen Autofahrern trennen. Es macht sehr viel Spaß durch die geschäftigen Straßen zu fahren.

Zum Thema Essen: Essen ist neben dem Tee der vielleicht wichtigste Teil der chinesischen Kultur. Das Bestellen von Essen ist für uns Ausländer recht schwierig. Am besten klappt es natürlich, wenn man eine Chinesin oder einen Chinesen dabei hat. Da das längst nicht immer der Fall ist, versucht man in Restaurants zu gehen, die eine englische Speisekarte oder zumindest eine mit Bildern haben. Restaurants die ‚westlichem Standard‘ entsprechen gibt es hier sehr viele. Das Essen ist phänomenal und ganz anders als die chinesische Küche in Deutschland. Es ist viel abwechslungsreicher und nur selten schmeckt mir etwas gar nicht. Was man in Deutschland beispielsweise gar nicht kennt, ist die scharfe Küche aus Sezchuan, der Hot Pot (eine Art Fondue mit verschiedenen Suppen), die Baozi und Jaozi (mit Gemüse oder Fleisch gefüllte Dampfnudeln und Teigtaschen) u.v.m. Auch in den kleinen „landestypischen“ Lokalen (Euphemismus für kleine Garküchen die dem deutschen Gesundheitsamt nicht gefallen würden) lässt es sich oftmals wahnsinnig lecker futtern, nochdazu ist es sehr günstig. Ein gutes Beispiel ist der unten genannte Nudelmann, bei dem eine köstliche Portion Nudeln umgerechnet 0,38 € kostet. Achja, Hundefleisch habe ich noch nicht gegessen. Glaube ich jedenfalls. Ich habe auch gehört, dass der überwiegende Teil der Chinesen gar kein Hundefleisch mag. Auf der Straße wird einem Hundefleisch wohl auch nicht untergeschoben, da es relativ teures Fleisch ist. Ich glaube ich würde es sogar probieren, da ich nicht so wirklich den Unterschied zwischen diesen und anderen Säugetieren sehe. Alles in Allem esse ich gut und reichlich.

Wenn es nach dem Willen der Stadtplaner geht, steht auch hier in wenigen Jahren anstelle des Nudelmannes und der anderen alten Häuser nur noch ein großer Hochhauskomplex.





Shanghai!

7 03 2008

So, nachdem ich einige Probleme mit der hiesigen … nennen wir es technisch-politischen Filterung des Internets hatte, wird mein erster Eintrag etwas länger:

Mir geht es sehr gut. Ich habe mich hier gut eingelebt. Leider bin ich mit den Aufenthaltsformalitäten bei den lokalen Behörden noch immer nicht fertig. Die Bürokratie hier ist der Wahnsinn, da sie kompliziert und vor allem undurchsichtig ist.

Vor einer Woche bin ich umgezogen. Von einer deutschen WG in eine deutsch-brasilianische WG. Wir wohnen hier in einem modernen Hochhauskomplex, der mit unmittelbarem Metro-Anschluss, kleiner Shoppingmall, Gastronomie usw. gut ausgestattet ist.

An der International School und auf dem Campus der Tongji Universität sind überraschenderweise sehr viele Deutsche, mit denen ich überwiegend die Zeit verbringe. Das ist natürlich merkwürdig, wenn man bedenkt dass ich 10.000 km weit weg geflogen bin. Unser Kurs ist international besetzt und besteht aus 20 Studenten, die aus neun Ländern kommen. Der Unterricht geht jeden Tag von 8 – 12 Uhr. Hört sich wenig an, ist es aber nicht wenn man bedenkt dass man noch sehr viel zu Hause lernen muss. Was meine Chinesisch-Kenntnisse betrifft … Ich glaube der Titel meines Blogs ist schon sehr passend.

Polizei auf der Nanjing Lu (Bild von Dominik)

Polizei auf der Nanjing Lu (Foto von Dominik (Kommilitone) – seinen sehr empfehlenswerten Blog findet Ihr unter thisandmine.wordpress.com)

Zur Stadt: Wahnsinn! Die Nanjing Lu ist definitiv die sauberste und imposanteste Einkaufsstraße die ich jemals gesehen habe. Und auch ansonsten ist das Angebot zum shoppen und schauen riesig. Mit Mitbewohnern und Komilitonen hab ich auch schon nicht wenige Clubs, Bars und Restaurants besucht. Auch hier ist das Angebot, wie sollte es anders sein, schwer zu übertreffen und man wird praktisch mitgeschleift. Mal schauen, ob sich in dieser Hinsicht irgendwann mal eine Art (ruhigerer) Alltag einstellt.

Hinweis: Das Leben in Shanghai ist für Ausländer und reiche Chinesen sehr angenehm. In der Stadt und insbesondere im restlichen Land gibt es jedoch nach wie vor viele arme Menschen, was sich auch nicht so schnell ändern wird. Ich unternehme einfach mal den Versuch hier ein differenziertes Bild von China zu geben und hoffe, dass mich das viele Glitzern von Shanghai nicht allzu sehr blended.

Soviel zu meinen ersten Eindrücken. Ich würde mich freuen, auch mal etwas von Euch und der Heimat zu hören.





你好* – Herzlich Willkommen!

5 02 2008

Liebe Freunde und Verwandte,

herzlich Willkommen auf lostinchinesetranslation.de**! Wer möchte, kann hier etwas über meine Zeit in Shanghai erfahren. Ich hoffe Ihr habt etwas Spaß daran und vielleicht kann ich sogar das ein oder andere Vorurteil über China ausräumen.

Euer Erwin

*Technischer Hinweis: Wer links neben dem Sternchen nur Fragezeichen o.Ä. sieht, dem fehlt ein chinesisches Sprachpaket für den Browser. Da sollten eigentlich zwei chinesische Schriftzeichen stehen. Hier könnt Ihr das Sprachpaket kostenlos für den Internet Explorer herunterladen. Ich bin nicht sicher ob das funktioniert, da bei mir bereits alles installiert ist. Gebt mir einfach mal Bescheid, ob es bei Euch klappt.

**Zur Erklärung des Blog-Titels: Der Titel lehnt sich an den Film „Lost in Translation“ von Sofia Coppola an. Da dieser jedoch in Tokyo spielt, habe ich diese, meiner Meinung nach, passende Abwandlung gewählt.